VULViNCHEN feiert die Vielfalt der Vulven und setzt sich gegen eine Normierung der Vulva ein.

Jede Vulva ist anders - jede ist schön!

VULVINCHEN ist von Hand angefertigter Schmuck in Vulva-Form aus Berlin. Ob als Geste der Selbstliebe und Achtung des Körpers oder einfach "nur" als Accessoires - trag sie mit Stolz! Manche sehen darin eine Vulva, andere eine Muschel mit Perle oder einen geöffneten Mund. Lass deiner Phantasie freien Lauf!

VULViNCHEN Sticker verleihen der Vulva mehr Sichtbarkeit im öffentlichen/privaten Raum und feiern die Vulva.

29.03.2015

"Die Idee ist aus meiner Arbeit als Sexualpädagogin entstanden. Wenn ich Workshops gebe, spreche ich mit den Teilnehmer*innen auch über Körper. Dafür habe ich Anschauungsmaterial und mir ist irgendwann aufgefallen, dass es viele Penis-Anschauungsmodelle gibt - aber Vulven, davon gab es kaum welche! Also habe ich beschlossen, selber aktiv zu werden. Ich wollte ein Vulva-Anschauungsmodell aus der Modelliermasse "Fimo" machen. Ehrlich gesagt hat das nicht so gut funktioniert - da enden meine künstlerischen Fähigkeiten. Aber es war noch ein wenig "Fimo" übrig und daraus habe ich dann einen Kettenanhänger gemacht. Einen Tag später kam mir der Name VULVINCHEN in den Sinn. Das erste Logo habe ich mit Paint entworfen, andere Programme wie Photoshop konnte ich gar nicht bedienen. Es gab keinen Businessplan oder eine Marketingstrategie - nur Spaß an der Sache und eine Vision."

Ziele und Visionen? Hab ich!

"Ich möchte die Vulva sichtbarer machen, sie in einen positiven Kontext setzen. Ich möchte mit VULVINCHEN in den verschiedensten Farben und Formen bewusst machen, dass jede Vulva anders und schön ist. Es geht auch um die Sichtbarkeit von Vielfalt - VULViNCHEN ist nicht DIE Vielfalt, aber ein Teil der Vielfalt, wenn wir über die Vulven sprechen oder wenn es um das Sehverhalten geht. Vulvinchen darf und soll zu Diskussionen anregen. Selbst, wenn jemand sie nicht angebracht oder unästhetisch findet - es ist besser, die Menschen setzen sich kritisch mit dem Thema auseinander, als dass sie sich über Vulven ausschweigen und sie so weiterhin tabuisieren."

Das Tabu ist so perfekt, dass man gar nicht merkt, dass man nicht darüber spricht.

Warum das Ganze?

"Dass die Vulva bzw. das Aussehen ein echtes Problem für viele Menschen sein und lange bleiben kann, ist mir erst im Beruf klar geworden. Bei meiner Arbeit als Sexualpädagogin treffe ich oft Menschen, die sich schämen, weil ihre Vulva zum Beispiel nicht aussieht, wie die, die sie aus Pornos kennen. Es hat sich mittlerweile ein Intimschönheitsideal herausgebildet, welches verunsichernd wirken kann. Oftmals fehlen Menschen auch Worte für die/ihre Vulva – es scheint immer noch ein großes Tabu zu sein, darüber zu sprechen als auch sich dem (eigenen) Körper lust- und liebevoll hinzuwenden."

Sichtbarkeit

"Was keinen Namen hat, existiert nicht. Was wir nicht benennen, ist nicht sichtbar. Wenn etwas nicht sichtbar ist, dann ist es auch nicht in unserem Bewusstsein sichtbar. Die Vulva ist außerdem ideologisch vorbelastet: Begriffe wie Scheide, Jungfernhäutchen oder Schamlippen! Unsere Sprache ist extrem lustfeindlich und teilweise gewaltvoll. Nahezu alle Bilder, die wir kennen, sind Produkte der Porno- oder Hygieneindustrie und nur die wenigsten davon sind wertschätzend, geschweige denn glorifizierend. Wenn die Vulva nirgendwo sichtbar ist, wenn Menschen ihr Wissen und ihre Lust nicht teilen können, wie können sie dann eine erfüllte Sexualität leben und sich in ihrem Körper zuhause fühlen?"

Körperwissen

"Viele Menschen haben sehr wenig Körperwissen, wenn es um die Vulva geht - z.B. kennen die meisten den Unterschied zwischen Vulva und Vagina nicht. (Die Vulva ist der äußere sichtbare Teil und die Vagina ist ausschließlich die Körperöffnung, die die Vulva mit den inneren Geschlechtsorganen verbindet). Das ist doch tragisch - niemand würde Hoden sagen, wenn er eigentlich Penis meint - bzw es nicht einfach so kommentarlos stehen lassen. Aber wie sollen wir Körperwissen erlangen, wenn die Biologiebücher uns nur normierte Abbildungen und einen Querschnitt zeigen - keine Lustorgane, nur ein Strich. Da wird nicht thematisiert, dass die äußeren und inneren Lippen dick, dünn, schrumpelig usw sein können. Und vor allem, dass jede Vulva einzigartig und anders aussieht. Wenn ich meinen Körper nicht kennen und weiß, was mir gefällt, dann kann ich das wahrscheinlich auch schlechter im sexuellen Kontakt mit jemand anderem thematisieren und meine Bedürfnisse kommunizieren."

Sprachlosigkeit

"Was keinen Namen hat, existiert nicht. Wie bezeichne ich meine Vulva? Vielen Menschen fehlen die Wörter - eine Sprache für ihren Körper und ihre Sexualität. Oftmals sprechen sie dann von "da unten" - aber da unten, das sind meine Füße! Deshalb finde ich es wichtig, sich ganz individuelle bedeutsame Wörter anzueignen. Welche Worte sind positiv und für mich stimmig? Diese können von Kontext zu Kontext unterschiedlich sein - z.B. wenn ich mit meiner Frauenärztin spreche oder mit meinen Partner*innen. Wie beschreibe ich meine eigene Sexualität und mein Begehren und wie kommuniziere ich das gegenüber anderen?"

Es fängt ganz früh an ...

"Kinder und Jugendliche lernen ihre Vulva durch vermeintliche Hygieneregeln kennen: Das da unten musst du sauber halten, das stinkt und das kann sich entzünden. Schon früh wird jungen Menschen beigebracht, dass "untenrum" stinkt und unrein ist, dass man darauf achten muss. Das schafft eine Distanz zu sich selbst. Je mehr du dich damit beschäftigst, dass du nicht schön bist oder nicht den Normen entsprichst, umso mehr Energie und Geld steckst du rein, etwas dagegen zu tun. Es gibt kaum eine wertschätzende Form darüber zu sprechen - kein Wunder bei dieser ganzen Hygiene- und Pharmaindustrie, die dahintersteckt."

Wirklich? Ja!

"Tatsächlich leben wir in dem Glauben, dass wir ganz viel und offen über Sexualität sprechen. Aber die Qualität, in der wir über Sexualität sprechen, ist nicht gut. Es bleibt oftmals an der Oberfläche: Wenn es zum Beispiel um Grenzen geht, um Scham, dann wird es ganz schnell still."


Individuelle Annäherung ans Thema

"Die Beschäftigung mit der Vulva kann zu einen besseren Bezug zum eigenen Körper führen. Ziel ist dabei eindeutig nicht dieses Ganze: Ich muss meinen Körper so lieben, wie er ist, und die Vulva muss meine beste Freundin sein. Das erzeugt nämlich enormen Druck! Stattdessen sollte das Ziel sein, ein Bewusstsein dafür zu bekommen, wie ich ganz persönlich zu meiner Vulva stehe. Dies kann unterschiedlich stattfinden: Manche Menschen sind sehr optisch veranlagt: Die können einfach mal ein bisschen googeln, sich anschauen, was da zum Thema „Vulva“ so auftaucht, und sich fragen, was diese Bilder mit ihnen machen – was gefällt mir, was nicht, und warum? Es geht darum, auch zu hinterfragen, in die Vergangenheit zu schauen und herauszufinden: Warum ist das so? Wie ist meine Familie, wie sind meine Erzieher*innen mit dem Thema umgegangen? Durfte ich meine Vulva als Kind zeigen? Durfte ich mich anfassen? Man kann sich natürlich auch vor einen Spiegel setzen und sich die eigene Vulva anschauen. Das kann jede Menge verwirrende Gefühle und Reaktionen hervorrufen – und die haben alle ihre Berechtigung! Wer eher haptisch veranlagt ist, kann sich abends im Bett einfach mal die Hand auf die Vulva legen und schauen, wie sich das anfühlt, und das über einen längeren Zeitraum wiederholen. Toll finde ich auch, wenn man versucht, die eigene Vulva zu malen. Eine Freundin hat mich mal gefragt: „Würdest du deine Vulva unter hunderten Vulven an der Wand erkennen?“. Gute Frage! Man kann sich dem Thema auch theoretisch nähern. Da gibt es tolle Bücher (Empfehlungen) – es kann hilfreich sein, erstmal nachzuvollziehen, woher bestimmte Bilder und Normen kommen. Generell kann man sich über diese verschiedenen Herangehensweisen dem Thema nähern und in Ruhe schauen: Was passiert mit mir? Sobald etwas gedanklich in Bewegung kommt, verändert sich was – und, davon bin ich überzeugt, zum Positiven. Am Ende steht dabei nicht immer die absolute Befreiung. Es ist genauso okay, wenn man feststellt: So wie ich denke und fühle, komme ich gut klar damit. Oder: Ich will mich nicht anschauen.

Kritik

"Hasskommentare sind keine Kritik, sondern Hasskommentare. Ich finde Kritik gut, wenn sie konstruktiv ist und etwas zur Entwicklung von VULVINCHEN beiträgt. Ich bin stets im Prozess, lese viel, lerne durch meine Arbeit - natürlich verändert sich auch dadurch meine Einstellung zu dem Projekt und ich habe immer wieder einen anderen inneren Fokus. Ich finde es toll, wenn ich noch was dazu lernen kann und wenn Menschen mir neue Blickwinkel aufzeigen. Ich bin ja kein Vulva-Guru, sondern ein Mensch mit viel Wissensdurst und Neugier."

Die Sache mit dem Penis

"Warum ich keine Penisse mache? Weil ich keinen Habe! Weil ich nicht weiß, welcher Druck mit diesem Körperteil einhergeht und wie es sich körperlich anfühlt. Nur weil ich über die Vulva rede, diskriminiere ich keine Penisse, ich mache sie nicht schlecht. Ich will nicht den Penis durch die Vulva ersetzen. Mir geht es darum, in dem Diskurs, in dem der Phallus zentral ist, ein Gegengewicht ins Spiel zu bringen. Mir geht es dabei auch nicht in erster Linie um die Provokation, sondern um die Wertschätzung der Vulva - dass sie mit Lust, Freude und Wertschätzung gezeigt werden kann."


"Weibliches Geschlechtsteil"?

"Nicht alle Frauen haben Vulven und nicht alle Menschen mit Vulven sind Frauen! Das mag zunächst etwas verwirren, weil wir in einer Gesellschaft leben, welche viel Wert auf die Genitalien legt, um über das Geschlecht eines Menschen zu sprechen. Doch das Genitale (physischer Körper) sagt nichts über die geschlechtliche Identität aus. Es gibt cis-Frauen mit Vulven, es gibt trans* Frauen, die eine Vulva haben oder eben auch nicht, und es gibt trans* Männer, die eine Vulva haben. Und stell dir vor, manche Menschen haben eine Vulva und definieren sich außerhalb der Kategorien Mann und Frau. Wenn ich über die Vulva spreche, dann als Körperteil an sich und nicht immer im Kontext von Weiblichkeit oder Frau-Sein. Wenn ich dies in Verbindung setze, dann ist „weibliche Sexualität“ in bestimmten Kontexten eher ein politischer Begriff, da es in Bezug auf Frauen noch weitere Diskriminierungsdimensionen gibt, die für meine Arbeit relevant sein könnten."

vulvinCHEN

"Manchmal werde ich darauf angesprochen, dass VULViNCHEN ein Verniedlichung der Vulva ist (Nutzung des Diminutiv -chen). Vor 3 Jahren fiel mir der Name ganz spontan ein und hat es sich passend für mich persönlich angefühlt - in meinen Augen hat etwas sehr liebevolles. Sprache und Sexualität ist nichts Starres und nichts Festgeschriebenes, genauso wie Identität und das Leben - auch ich bin im Prozess und reflektiere Dinge - vielleicht wird aus Vulvinchen ja auch mal Vulverin heißen."

"Ich finde es solidarisch, wenn wir uns gegenseitig darin bekräftigen, positive Wörter und Formulierungen für unsere Körper zu finden, die unbedingt unterschiedlich sein dürfen. Und wenn wir jetzt z.B. die Klitoris betonen, dann ist das etwas, was Jahrhunderte lang verboten war und unterdrückt wurde. Insofern ist die Möglichkeit, die Sexualität zu entdecken, noch so neu, dass wir gerade in dem Stadium sind, das zu feiern, mit Hilfe einer positiven und gern auch verspielten Sprache. Gerade der sexpositive Feminismus steht nicht dafür, zu behaupten: So oder so muss etwas gemacht werden, sondern für eine Vielfalt, in der Sprache wie überall sonst. Aktuell finde ich es sehr erfrischend zu sehen, wie Frauen* damit beginnen, positiv und kreativ mit ihrer Sexualität umzugehen. Schön wäre, wenn wir gemeinsame Wege finden, sexuelle Vielfalt zu feiern. Wir sind auf der Suche, nach guten gemeinsamen Strategien."

Zitat von Laura Méritt

Einige Zitate aus den obigen Texten entspringen aus Interviews, diese findet ihr hier.

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